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Spezialabteilungen

Martin Disteli
Rudolf Erich Raspe


Die Münchhausen-Bibliothek Zürich enthält – aufgrund persönlicher Vorliebe – zwei Abschnitte, die über Münchhausen hinausgehen:


Martin Disteli, 1802 – 1844

Martin Disteli war Künstler, Bürger, Offizier, Karikaturist, Zeichenlehrer, Ehemann, Selbstverleger.

 

Vielleicht ist Disteli der beste Illustrator des Münchhausen. Er hat 1839 bis 1841 an dem Bilderzyklus zu den Land-Reisen gearbeitet.

Disteli hat seinen Münchhausen im Kampf gegen die alte Aristokratenherrschaft eingesetzt. Das folgende Bild ist ein Symbol dieser Auseinandersetzung; es gehört nicht in den Münchhausen-Zyklus.

M. Disteli, Aristokratenhosenlupf.
M. Disteli, Aristokratenhosenlupf, Federzeichnung 1840.

Die Bibliothek dokumentiert von Disteli

  • das veröffentlichte druckgraphische Werk
  • spezifische Sekundärliteratur
  • (100 Nummern)

 

                 

Frontispiz und Titelseite von

Martin Distelis Münchhausen-Ausgabe:

Vorrang des Bildes vor dem Text -

Die Grösse des Bildes überragt den

Satzspiegel; der Autor wird verschwiegen,

der Zeichner wird zweimal genannt;

das erste Wort des Buches ist

"Zeichnungen" (links oben)

 

Martin Disteli -

persönliche und politische Verhältnisse

1802     Geburt, Kindheit in wohlhabendem Elternhaus

1814     Beginn der Gymnasialzeit. Tod der Mutter

1821     Student in Freiburg i.Br., Jena:

              Naturgeschichte, Geschichte

1825     Kunstakademie München bei P. v. Cornelius

1827     Erfolglose Bewerbung als Zeichenlehrer

1828     Heirat mit Theresia Gisiger. Tod der Tochter

1829     Konkurs des Fabrikationsbetriebs des Vaters

1831     Tod der Ehefrau und des Bruders

1834     Übersiedlung von Olten nach Solothurn

1836     Wahl zum Zeichenlehrer in Solothurn

1839     Beginn der intensivsten Arbeitsphase

1844     Tod Distelis in Solothurn

Als der junge Disteli als freier Künstler in Olten lebte, herrschte im Kanton Solothurn die Aristokratie. Olten war unterdrückt, hatte aber eine lebhafte liberale Bewegung. 1831 kamen die Liberalen im Kanton an die Macht. Disteli politisierte als Bürger, Offizier und Künstler: Er nahm am Balsthaler Volkstag teil und führte ein Freiwilligenkorps zugunsten der Landschafter gegen Basel-Stadt. Ab 1838 versuchten die Konservativen, demokratische Errungenschaften aufzuheben, auch per Putsch. Da schuf Disteli sein ureigenstes politisches Instrument, den Schweizerischen Bilderkalender , den er, trotz Zensur und Prozessen, von 1839 bis 1844 herausgegeben hat.

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Rudolf Erich Raspe, 1736 – 1794

Autor des ersten Münchhausen. Kurzbiographie

Im Rahmen der Bibliothek entstanden:

Publikation über eine wissenschaftsgeschichtliche Arbeit von Raspe, in der er die Erklärung der Basaltgenese, wie sie die Vulkanisten, und er als einer von ihnen, vertraten, in Frage stellt.


Rudolf Erich Raspe (1736 - 1794)
Rudolf Erich Raspe

Medaillon von James Tassie,

Glaspaste, 1783

Die Münchhausen-Bibliothek Zürich enthält bzw. dokumentiert

  • das Gesamtwerk in selbständigen Veröffentlichungen und Periodika
  • die von Raspe übersetzten bzw. rezensierten Bücher
  • Rezensionen seiner Werke sowie Kopien von Manuskripten und Briefen.
  • unveröffentlichte Manuskripte
  • spezifische Sekundärliteratur
  • (total ca. 250 Nummern)

›Publikation: A. Linnebach, Hg., Der Münchhausen-Autor Rudolf Erich Raspe, Wissenschaft – Kunst – Abenteuer, Kassel 2005

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Rudolf Erich Raspe

Kurzbiographie und Interessen

Biographie: Raspe, im Frühjahr 1736 geboren, wächst in Hannover auf. Er studiert von 1755 an in Göttingen und Leipzig und arbeitet dann in Hannover als Bibliotheksschreiber bzw. -sekretär. 1767 wird er Professor der Altertümer und Aufseher des fürstlichen Antiquitäten- und Münzkabinetts in Kassel. Er inventarisiert dort ungeordnete Bestände, konzipiert die Präsentation, akquiriert Ergänzungen, recherchiert nach historischen Quellen und knüpft intensiv Beziehungen. 1771 verheiraten sich Raspe und Elisabeth Lange aus Berlin. Raspe macht Schulden, veruntreut Münzen und übersiedelt 1775 nach England. Er arbeitet dort unter anderem für den Grossindustriellen Matthew Boulton im Bergwerkswesen, lebt zunächst in London, bis 1788 in Cornwall, reist beruflich durch England, wohnt 1789 / 1790 in Schottland. Zu einem heute unbekannten Zeitpunkt heiratet er ein zweites Mal eine Irin, nachdem die erste Ehe geschieden worden war. Er stirbt in Irland am 16. November 1794 und ist dort in Muckross begraben.

Raspe pflegt eine rege Korrespondenz über ganz Europa hinweg und steht in Kontakt z.B. mit Winckelmann, Herder, mit der Maler-Familie Tischbein, Benjamin Franklin, Matthew Boulton, Captain Cook, Georg Forster.

Raspe als Dichter: Raspe schreibt 1763 anlässlich des Geburtstages der Königin das Lustspiel Die verlorne Bäuerin. Die Heirat seiner Schwester veranlasst ihn 1764, ein umfangreiches Gedicht Frühlingsgedanken zu verfassen. 1766 publiziert er Hermin und Gunilde - eine Geschichte aus den Ritterzeiten, ein Epos, das als die erste Romanze überhaupt gilt. 1785 schreibt er den Munchausen.

Raspe als Zeichner und Künstler: Titelblatt zu Hermin und Gunilde (wahrscheinlich von Raspe). Zu Specimen naturalis 1763 zwei Kupferstiche. Zu geophysikalischen Studien der Stich Burg Felsberg. Illustrationen zu Munchausen 1786 und zum Katalog geschnittener Steine von J. Tassie 1790. Technische Zeichnungen von Minen und zum Stollenbau in Irland, um 1793.

Raspe als Geologe: Von 1763 bis 1791 publiziert Raspe zu geologischen und naturhistorischen Themen, gewinnt seine Einsichten durch Experimente, Feldforschung und Fallstudien. Er ist methodisch innovativ, ohne sich erkenntnistheoretisch zu äussern. An der Geologie interessieren ihn die von Mythen belastete Wissenschaftsgeschichte und das Verständnis der Sachverhalte sowie die ökonomische Verwertbarkeit der Resultate. Er verdient in England seinen Lebensunterhalt dank der Kenntnisse im Bergwerkswesen

Raspe als Kunstsachverständiger: Raspe ordnet und präsentiert Sammlungen von Skulpturen, Münzen sowie Bildern und nimmt an der Debatte um die Interpretation der Kunst der Antike teil. Er entdeckt und publiziert Manuskripte zur Anwendung der Ölmalerei vor der Zeit der Brüder van Eyck. Am Hof in Kassel setzt er sich für die Anerkennung der als barbarisch geltenden frühneuzeitlichen Kunst ein. Als Verwalter der Sammlungen konzipiert er ein „lehrreiches“ Museum. Seine Einleitung zum Kata-log der Gemmen und Kameen von James Tassie ist eine Einführung in die Geschichte der Steinschneidekunst.

Raspe als Übersetzer: Raspe überträgt aus dem Italienischen, Englischen und Französischen ins Deutsche, vom Deutschen und Französischen ins Englische, wahrscheinlich auch vom Englischen ins Französische, schreibt Eigenes direkt nicht nur in Deutsch, sondern auch in Lateinisch, Englisch und Französisch. Er transkribiert mittelalterliche Handschriften in eine lesbare Form. Vermutlich hat er Kenntnisse von Sprachen gehabt, die vor dem Englischen auf den britischen Inseln in Umlauf waren.

Der Erfolgreiche: Raspe entdeckt verschollene Manuskripte von Leibniz, erreicht, dass er sie veröffentlichen kann, und leitet eine regelrechte Leibniz-Renaissance ein, die auf I. Kant Einfluss hat. Er ist dafür verantwortlich, dass die Erkenntnis, Basalt sei vulkanischen Ursprungs, in Deutschland anerkannt wurde. Sein naturhistorisches Erstlingswerk von 1763 verhilft ihm zur Mitgliedschaft in der noblen Royal Society. Er verantwortet einen Weltbestseller: Munchausen.

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Auswahlbibliographie zu R.E. Raspe

Das Spektrum der von Raspe bearbeiteten Themen ist breit. Er ist explizit Autor, Übersetzer, Herausgeber, Rezensent, aber auch anonymer Dichter und Beiträger.

Geologie: Specimen historiae naturalis globi terraque, Cum figuris aeneis autore Rudolpho Erico Raspe. Amsteldami & Lipsiae, J. Schreuder & P. Mortier. MDCCLXIII.

Philosophie: Oeuvres Philosophiques Latines & Françoises de Feu Mr. De Leibnitz. Publièes par Mr. Rud. Eric Raspe. Amsterdam, Leipzig, Jean Schreuder. MDCCLXV

Dichtung: Hermin und Gunilde, eine Geschichte aus den Ritterzeiten, die sich zwischen Adelepsen und Usslar am Schäferberge zugetragen, nebst einem Vorberichte über die Ritterzeiten, und eine Allegorie. Leipzig, bey M.G. Weidmanns Erben und Reich. 1766.

Kunst: Versuche über die Architectur, Mahlerey und musicalische Opera aus dem Italiänischen des Grafen Algarotti übersetzt von R.E. Raspe, Cassel, Johann Friedrich Hommerde, 1769. – Mit einer Einführung von Raspe.

Vulkanismus: Beytrag zur allerältesten und natürlichen Historie von Hessen; oder Beschreibung des Habichwaldes. Von R.E. Raspe, Cassel, Johann Jacob Cramer. 1774. / An account of some German volcanos, and their productions. By R. E. Raspe. London, Printed for Lockyer Davis, Holborn; Printer to the Royal Society. MDCCLXXVI.

Übersetzung: Nathan the Wise. A Philosophical Drama. From the German of G.E. Lessing, Late Librarian to the Duke of Brunswick. Translated into English by R.E. Raspe. London; Printed for J. Fielding, No 23, Pater-noster-Row. M DCC LXXXI. [Price One Shilling and Six-Pence.]

Mineralogie: Travels through Italy, A Series of Letters to Baron Born. With Explanatory Notes, and a Preface on the present State and future Improvement of Mineralogy. By R. E. Raspe. London, Printed for L. Davis, in Holbourn; Printer to the Royal Society. MDCCLXXVI. - – Mit einer Einführung von Raspe.

Bergbau: Baron Inigo Born’s New Process of Amalgamation of Gold and Silver Ores, From the Baron’s Account in German, Translated into English by R.E. Raspe. With twenty-two Copper-Plates, To which are added, A Supplement, London: T. Cadell, MDCCXCI. – Mit einer Einführung und Ergänzungen von Raspe.

Ethnologie: Gesetzbuch der Gentoo’s; oder Sammlung der Gesetze der Pundits, nach einer persianischen Uebersetzung des in der Sanscrit-Sprache geschriebenen Originales. Aus dem
Englischen von Rudolf Erich Raspe. Hamburg, Carl Ernst Bohn. 1778. – Mit einer Einführung und ausführlichen Fussnoten von Raspe.

Maltechnik: A Critical Essay on Oil-Painting; proving that the art of painting in oil was known before the pretended discovery of John and Hubert van Eyck; to which are added, Theophilus de arte pingendi - Eraclius de artibus Romanorum. And a review of Farinator’s Lumen Animae, by R.E. Raspe. London:, Goldney; and T. Cadell, M.DCC:LXXXI.

Glyptik: A Descriptive Catalogue of a General Collection of Ancient and Modern Engraves Gems, Cameos as well as Intaglios, Taken from the Most Celebrated Cabinets in Europe; by James Tassie, Modeller; Arranged and Described by R. E. Raspe; and Illustrated with Copper-Plates. London; Printed and Sold by James Tassie, J. Murray, Bookseller, MDCCXCI – Mit einer ausführlichen Einführung von Raspe.

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Top 02/2014© by Bernhard Wiebel

  Münchhausen entdeckt die Bibliothek von Alexandria William Strang 1895 Münchhausen entdeckt die Bibliothek von Alexandria William Strang 1895

Im Kunstmuseum Olten, wo etwa die Hälfte des Disteli-Oeuvres liegt, finden regelmässig kleine thematische Ausstellungen statt.

 

 

Das Goethezeit-Portal zeigt jetzt die Münchhausen-Illustrationen von Martin Disteli, zusammen mit dem Text. Das Goethezeitportal: Freiherr von Münchhausen

Specimen Historiae Naturalis, Amstelodami & Lipsiae MDCCCLXIII
R. E. Raspe. Specimen Historiae Naturalis, Amstelodami & Lipsiae MDCCCLXIII
 
 
 

Die Büste der Clytia, nach dem Original in der Sammlung von Sir Townely